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To be continued...

Ich kenne diese Bahnen, welche unentwegt Menschen in das Gewühl der Großstadt freigeben. Die Gesichter kenne ich nicht. Blaue Augen, grüne, braune Augen erzählen Geschichten, erzählen von besseren Tagen. Der Blick schweift aus dem Fenster und ein Lied erzählt mir vom Sommer. Draußen fliegt ein Teich vorbei, Trauerweiden, ein paar Krähen sitzen in den Ästen und Kinder spielen auf sattem Grün.

 

Ich schlage meine Beine übereinander und atme die schwitzende Luft ein. In meiner Brust vermischt sie sich mit Vergangenem und noch Bevorstehendem. Ich schaue auf meine nackten Arme und Beine und entdecke eine sanfte Bräune, die mir ein Lächeln über die Lippen zaubert. Auch ich werde von der Bahn mit vielen Unbekannten am Hauptbahnhof ausgespuckt und laufe die Treppen zu den Gängen hoch. Hier war ich schon oft, jeden Morgen in der Woche. Hier ist es angenehm kühl und die Steinplatten unter meinen Füßen geben bei jedem Schritt Antwort. Vorbei an bunten Plakaten, welche ich keines Blickes würdige, laufe ich verlorenen Schrittes den langen beleuchteten Tunnel entlang. Mein Musikspieler wechselt das Lied und eine Gitarre stimmt mich fröhlich. Meine Schritte passen sich dem veränderten Takt an und ich stelle mich auf die langsam anfahrende Rolltreppe, welche mich ins gleißende Sonnenlicht, in den heißen Tag im Sommer, befördert. Die Sonne sticht auf der Haut und mein Nacken brennt. Auf den Armen das altbekannte Kitzeln und im Bauch ein leichtes Kribbeln.

 

Im Gebäude ist es dunkel und kühl, meine Augen brauchen eine Weile, bis sie sich an das Licht gewöhnen und ich versuche meine Gänsehaut abzuschütteln. Es dauert einige Zeit, bis ich mich wieder fange und mein Blick mustert das hohe Gewölbe. Links und rechts führen große, geschwungene Treppen in die oberen Etagen und ein Schild auf dem Tresen am Eingang teilt mit, dass dieser gerade nicht besetzt ist. Ich muss lachen, schließlich ist das offensichtlich. Geschwungene Bögen ziehen sich über die Treppenaufgänge und ich entschließe mich, den Lift in die dritte Etage zu nehmen. Ich gehe einen Schritt und erstarre.

 

Durch die gläsernen Türen am Hintereingang sehe ich in den Innenhof. Ich habe dort viel Zeit verbracht - lesend, sitzend, wartend. Ein kleiner Teich, von wildem Kraut umwuchert und hohe Bäume stehen dort. Es gibt dort drei Bänke. Ich liebte die erste Bank, ganz nah am Eingang, direkt in der Sonne. Diese ist jedoch jetzt besetzt, was eigentlich nicht sonderlich unüblich ist. Mein Herz schlägt wie wild, als ich sie auf der Bank entdecke. Oft habe ich sie beobachtet, wie sie im Schatten des überdachten Eingangs stand und gedankenverloren rauchte. Sie trug eine blickdichte Sonnenbrille, das Gesicht in meine Richtung gewandt. Ob sie mich dabei ansah, das weiß ich bis heute nicht. Und jetzt sitzt sie dort - auf meiner Bank, als wäre es ihre. Sie sitzt und raucht und denkt. Sie sitzt in der Sonne unter den hohen Bäumen. Ihr Haar schmeichelt ihr um den Kopf und ihre weiße Haut blendet. Wie betäubt stehe ich im Dunkeln und beobachte sie. Ihre schlanken Arme, ihre zusammengesunkene Gestalt. Ich weiß nicht, wie lange ich dort stehe und versuche meinen Augen zu trauen, doch langsam erhebt sie den Kopf und blickt ins Dunkel der großen Halle. Ist sie genauso geblendet wie ich? Kann sie mich sehen? Zu gern würde ich ins Warme entfliehen und die gleiche sonnendurchtränkte, staubige Luft atmen wie sie. Zu gern würde ich neben ihr sitzen, dort, auf unserer Bank, unter den großen, grünen Bäumen.

 

Ich entscheide mich, die Treppe zu meiner Linken zu nehmen und wende mich, ohne einen weiteren Blick zu wagen, ab. Ich habe mir heute versprochen glücklich zu sein.   

-whisker-

30.12.09 15:48
 
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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


zankapfel (31.12.09 11:12)
Wow, so lebendig und trotzdem strahlt es die Ruhe um die innere Bewegtheit herum aus.
Der Text ist wundervoll...
Nur eines - erst stehst du am Aufzug, willst ihn in die dritte Etage nehmen und dann doch die Treppe? War das Absicht?
Siehste mal, wie man sich das perfekt bildlich vorstellen kann, wenn solche Details auffällig sind.
Stelle mal die Kurzgeschichte rein; diese umwerfende Kurzgeschichte - deine abgeänderte Version


Whisker (31.12.09 12:13)
"Ich" gehe einen Schritt, mit einem Schritt kann man noch lange nicht die ganze Halle durchqueren und am Lift sein.

Außerdem wäre das mit dem Lift doch viel zu einfach. Manche Geschichten sind nicht einfach und manchmal ist der Weg, auf dem man stolpern kann einfach schneller - man kann ja nicht immer auf den einfacheren warten.

Ich denke nicht, dass die Kurzgeschichte hier reingehört, oder? Falsches Publikum?!


zankapfel (31.12.09 12:23)
Ich finde schon, sie ist doch wundervoll und eine Geschichte niemanden betreffend, den wir kennen...
Ich finde sie lesenswert für jedes Publikum; außer natürlich für Analphabeten.
Ehm; ja... dann habe ich es falsch verstanden
Und gar nicht so philosophisch betrachtet


Whisker (31.12.09 13:08)
Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen, man weiß nie, wer hier durchstöbert.
Ich kann ja auch einfach die Namen ändern, denn die sind, leider Gottes, zu offensichtlich.

Wie wärs denn mit Uschi und Thussnelda Strumpfzeh?

Analphabeten? Spinner! (Brrrrrrr)

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